der Versuch ein Wohnmobil zu kaufen – oder…

…warum Betrugsfälle in Deutschland oft nicht aufgeklärt werden.

Achtung, für meine Verhältnisse sehr lang!

Ein paar Tage sind vergangen, da hatte ich ein Gespräch mit einem Polizeibeamten über einen wahrscheinlichen Betrugsversuch bei einem Autokauf. Es interessierte Ihn leider nicht.

Was war passiert?

Ich schaue regelmäßig auf der Suche nach einem kleinen günstigen Wohnmobil auf die üblichen Verdächtigen, mobile, ebay (warum werden da eigentlich immer nur noch die ersten 11 Angebote mit Bild angezeigt?) und noch ein paar andere.

Letzte Woche, noch im Urlaub, entdeckte ich auf mobile.de ein mit „NEU“ gekennzeichnetes super-Angebot, eigentlich zu schön um wahr zu sein: Anzeige
Bei solchen Super-Duper Angeboten werde ich ja grundsätzlich schon mal hellhörig, aber mal sehen.

Dieses Wohnmobil, ein NobelArt A900G (.pdf Kurztest) ist im Endeffekt ein italienisches Auto aus 2007 aus einer Überproduktion, die anschließend unter anderem Namen abverkauft wurden, aber das ist ja nichts störendes an sich.
Im Normalfall kosten diese Autos aus diesem Zulassungsjahr so zwischen 18- und 24000 Euro, ja nach Zustand. Das angepriesene reichhaltige Zubehör gehört zum großen Teil zur Serienausstattung, auch entspricht der Grundriss nicht echt meinen Vorstellungen, sind wir schließlich immer nur zu zweit mit Hund unterwegs, da brauche ich keine 6 möglichen Schlafplätze, aber so etwas kann man ja passend umbauen bzw. für den doppelten Preis weiterverkaufen. Soweit die vorhergehenden Überlegungen.

Ich schrieb dem Herrn aus Haan also am gleichen Tag eine Email das ich mich für das Fahrzeug interessiere, die Reaktion darauf war erst mal: Null.
Ein paar Stunden später am Abend war die Anzeige wieder verschwunden, ich dachte mir da ist mal einer sofort hingefahren, hat dem die 8000 € in die Hand gedrückt bevor der Herr weiß was passiert ist und die Sache wäre erledigt.

Denkste.
Am nächsten Tag erreichte mich eine Email aus Frederikshavn, Nord-Dänemark.

Sie wären ein altes Ehepaar, 71 und 68 Jahre alt, hätten lange Zeit in Deutschland gelebt, hier alles verkauft und jetzt in Dänemark für das restliche Leben eine schöne große Farm gekauft. Als Letztes übrig von Ihrem Leben in Deutschland wäre jetzt das Wohnmobil, mit deutschen Papieren und Zulassung natürlich, und das sollte jetzt halt auch verkauft werden.
Der Herr aus Haan wäre ein Bekannter der die Anzeige aufgegeben hat, weil das günstiger wäre als aus Dänemark. Das weiß ich einfach nicht, ist mir auch egal.
Auf jeden Fall würde der Herr, ich lasse die ganzen Namen einfach mal bewusst weg, gerne eine Reise nach Deutschland machen um mir sein Wohnmobil zu verkaufen.
In Dortmund wollte er sich mit mir treffen, letzten Mittwoch vormittags.

Von Frederikshavn in Nord-Dänemark nach Dortmund sind so gepflegte 850 km.
Nebenbei erklärte er mir das das Wohnmobil auch in Dänemark sei, er also damit anreisen würde. Das war das erste was ich dann etwas seltsam fand, ging ich bisher davon aus das Auto steht irgendwo in Dortmund halt oder in der Nähe.
Daraufhin teilte ich Ihm mit, wenn er eh so weit gefahren käme könnte er ja auch nach Bergisch Gladbach kommen, hier in der Nähe wohne und arbeite ich und ich wusste zu dem Zeitpunkt auch noch nicht wie ich arbeiten musste, bzw. ob ich den Mittwoch Zeit hatte nach Dortmund zu fahren.
Für diese zusätzlichen 80 km zu fahren bot ich Ihm 200 € extra an und das ich Ihn zum Flughafen bzw. zum Kölner Bahnhof bringen könnte.

Am nächsten Tag, ich glaube letzten Samstag, bestätigte er mir mit der Kopie einer Hotelbuchung das er Dienstagabend ankommen würde um in einem Kölner Hotel (Altstadt, super mit Wohnmobil!) zu übernachten und er sich mit mir am Mittwoch Vormittag in Köln in der Altstadt treffen wollte.
Das fand ich erst mal ziemlich dämlich, weil eine Probefahrt mit einem unbekannten 7m Wohnmobil in der Kölner Altstadt bzw. überhaupt dort einen Parkplatz zu finden halte ich für relativ unwahrscheinlich und muss an sich auch nicht sein.
Ich mag Köln nicht zum Auto fahren! 🙂

Bei dieser letzten Email war dann eine deutsche Mobilfunknummer angegeben, um den Herrn an diesem Mittwoch erreichen zu können. Diese hab ich mal bei Google eingetippt.

Pling-Pling-Pling!!!
Circa 50 Treffer total, viel Müll natürlich, und 9 Links zu Texten, Blog- und Foreneinträgen zum Thema Betrug beim Autokauf.
Toll, wäre auch zu schön gewesen.
Also mit der gleichen Geschichte von der tollen Farm in Dänemark wurde schon vom Ford Fiesta über VW Busse bis hin zu 3er BMW recht viel verkauft, bzw. versucht zu verkaufen.
Der einzige Unterschied zu diesen dokumentierten Fällen war, daß der Herr aus Dänemark keine Vorabzahlung haben wollte das er sich auf den weiten Weg macht.

Montag Vormittag, in einer Pause, fuhr ich mal zur Kreispolizeibehörde Bergisch Gladbach (kein funktionierender Internetlink).

Erster Versuch:
ich erklärte dem Herrn auf der Wache was passiert war, wurde angeschaut wie ein Doofer, dann kam die entscheidende Frage:
„wurden Sie denn bereits geschädigt?“
Das verneinte ich natürlich, danach war die Angelegenheit für den Herrn auch schon komplett erledigt. Ich bekam noch eine Zimmernummer von Jemandem gesagt, ich sollte dort mal vorsprechen.
Also ging ich in den 2. Stock, fand sofort das Zimmer, leer.
Jemand anders sagte mir, ich sollte doch im Gang Platz nehmen, „der Kollege kommt gleich“.

Nach einer dreiviertel Stunde auf dem Gang sitzen bin ich dann halt wieder gegangen, weil ich noch einen Termin hatte.

Zweiter Versuch:
Ich muß sagen das mich das sehr irritierte das da so irgendwie niemand zuständig war, kopierte mal die ganzen Emails incl. der Hotelbuchung und der ursprünglichen Anzeige auf einem USB-Stick und fuhr nachmittags nochmal zur Polizei.
Der Herr in der Wache ließ mich erst gar nicht rein, hä?, sondern winkte nur auf die andere Seite, da gibt es noch ein Informationsschalter den ich vorher gar nicht gesehen hatte.
Der Dame dort erklärte ich den ganzen Vorgang und wurde nur gefragt „und Sie wissen vorher das Sie betrogen werden sollen?“
Das beantwortete ich mit „Ja“ und wurde tatsächlich wieder an den gleichen Herren verwiesen wie vormittags auch schon, der war an dem Tag grundsätzlich für alle Anzeigen zuständig und hatte entsprechend wenig Zeit. Der saß tatsächlich auch in seinem Zimmer, wartete eigentlich auf jemand anderen, aber ich setzte mich dann erst mal zu Ihm und erklärte die Lage. Zum dritten Mal.

Ob ich denn etwas schriftliches hätte vom dem Herrn, den Namen und die Telefonnummer zum Beispiel. „Ja“ sagte ich und hielt dem zuständigen Polizisten den USB-Stick vor die Nase, „alles von der eigentlichen Anzeige, die kompletten Emails und Hotelbestätigung.“
Dann der Hammer:
„Das ist sehr gut, aber ich habe keine Zugangsberechtigung zu einem Computer mit USB-Anschluß.

„Nicht hingehen!“ war die bemerkenswert einfache Antwort, und, nach einigem Hin und Her, „können wir nichts machen wenn Sie nicht schon geschädigt sind.“

Mit vielen leeren Worten wurde mir noch erklärt das man, also die Polizei, innerhalb von zwei Tagen eh nicht in der Lage wäre jemanden mit mir zu diesem Treffen zu schicken, erst Recht würde das nicht klappen weil ich ja auf der Bergisch Gladbacher Polizeiamt wäre und wenn das Treffen in Köln stattfinden sollte wären ja dort die Kollegen zuständig.
Außerdem bräuchte man für so einen Einsatz vorher einen richterlichen Beschluss, der, wenn es ihn den gäbe, so eine Woche dauern würde.

Ich sollte die Emails doch mal als Email schicken, darauf hat der Herr Polizist also scheinbar schon Zugang, dann könnte er sich das mal ansehen. Da es scheinbar für die Bergisch Gladbacher Polizisten keine Visitenkarten gibt schrieb er mir seine Email Adresse auf einen Post-It Zettel. Vielleicht falsch, vielleicht konnte ich da auch nicht richtig lesen, auf jeden Fall bekam ich nach ein paar Minuten die Mitteilung das es die Email nicht zugestellt werden konnte.
Also das gleiche nochnmal, gesendet an die öffentlich zugängliche Email-Adresse der Poststelle der Bergisch Gladbacher Polizei, mit dem Vermerk diese Email an den besagten Herrn weiterzuleiten.
Ein paar Minuten später wieder eine Mitteilung: die Poststelle wäre nicht besetzt.

Danach hab ich kurz überlegt ob ich noch nach Köln zur Polizei fahre, das dann aber nicht gemacht, das war mir irgendwie zuviel Desinteresse.

Ich bin irritiert bis enttäuscht das da so gar keine Interesse besteht. Also wenn ich mich mit dem Anbieter getroffen hätte und der mir eins auf Maul gegeben hätte und die Kohle geklaut, ja dann hätte man da was ermitteln können. Und sechs Wochen später die Nachricht schicken das man nichts ermitteln konnte, jaja.

Um das nochmal kurz zusammenzufassen:
Ich hatte 2 Namen, 2 Telefonnummern, einen Ort, einen Termin und einen sehr präzisen Verdachtsfall auf Betrug und den Nachweis das im Zusammenhang mit dieser Mobilfunknummer schon Autobetrügereien stattgefunden hatten.

UND ES INTERESSIERT KEINE SAU!!!

Wo kann ich einen Waffenschein beantragen, bitte?

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der Versuch ein Wohnmobil zu kaufen – oder…